Vom Verfall der Groupie-Hoe-Fiktion und meiner Hassliebe zu Musikern

Musik ist was schönes, nich‘ ?

Verbindet Menschen, rettet verschissene Tage vor dem emotionalen Supergau, motiviert-kurz um: ’ne 1A-Erfindung der Menschheit.

Sofern man eher der klassischen Gesinnung angehören sollte oder man einfach nur männlich ist, betrifft die hier und heute zu behandelnde Thematik einen jetzt eher weniger. Ihr könnt Euch ja derweilen kurz Wagner schieben ( die Pizza oder den Kerl, ist mir relativ Latte, das überlass‘ ich Euch) und dann am Ende wieder einsteigen, si? Feiiiiiiiin.

TEIL 1-oder auch fundierte Verhaltensanalyse, nicht nach Freud

Was gehört denn alles so dazu zu Musik? Munteres Brainstorming, hoppi-galoppi, flotte Möhre!

Ah, ja da hinten, bitte?-

-„Verschiedene Genres!“- sehr richtig, schön, weiter!

-„Ääääh, Instrumente!“- jawohl, ebenfalls essentiell, noch wat?

– „Die Musiker, Bands und so?- UND DA HABEN WIR DEN STRESSFAKTOR, besten Dank Müller, Sie dürfen ins Bällebad.

Muuuuusiker. Haaaaaach.

Ich verschränke unbewusst meine Hände ineinander, strechte sie ordentlich durch, cracke meinen Neck nach links und rechts- okay, kann losgehen.

Vorab: an alle Musikerinnen, ihr seid genauso fantastisch, aber grad geht’s echt nur um den Phänotyp Eurer Talent-Gattung mit einem Penis. Oder an dem zumindest einer vermutet wird.

Eine Faszination, die so ca. seit Walther von der Vogelweide, der im schönen Hochmittelalter wohl ganze Hof-Kemenaten in die Wollust oder Depression getrieben haben soll, geht auf unerklärliche Art und Weise,vor allem auf ihr weibliches Publikum, von diesen musizierenden Geschöpfen aus.

Stellt sich nur die Frage: wieso, wo is’n der Trick?

Betrachten wa‘ dat Ganze doch mal analytisch, wie es im gängigen Akademiker-Jargon lauten würde. Die verstehen ja sowieso alles.

FAKT 1 : STARTING WITH THE MAN IN THE MIRROR

Oberflächlichkeit und Egoismus haben noch nie jemanden weitergebracht. Kann ich nicht mehr unterschreiben, kenn‘ zu viele Musiker. Scheeeeerz. So schlimm sind (manche) davon auch wieder nicht. Jedoch-so leid es mir tut-die meisten der Bühnenmenschen sehen einfach verdammt gut aus. Ist ja auch nicht verwunderlich, mit ’nem Selbstwertgefühl aus der Restmülltonne stellt man sich wohl kaum mutig zur Show und präsentiert sich ’ner Horde menschlicher Piranhas, aka einem Publikum. Flächendeckende Tattoos, Ringe in sämtlichen Körperstellen oder einfach nur der geschleckte Bubi-Look in high class-durch sie bekommen wir ganz neue Level von Männern zu sehen. Und wie durch Zauberei ist der Kai von nebenan nur noch halb so interessantes Beuteschema und man sich selber auch irgendwie zu schade für derartigen Typus-0815.

Wo besagte letztere Typen regelmäßig mit Rosen vor unserer Tür stehen und jedes Wochenende in ihrem Bett bei der selben Serie mit uns Fi(lm gu)cken möchten, befindet sich die musizierende Front entweder fluchend und betrunken in einem Probenkeller, oder hat die Produktionsphase bereits hinter sich und geht-betrunken- auf einem verranzten Gig irgendwo ab wie Schmitz‘ Katze.

SIE rufen an, wenn SIE mal Bock haben.

Rituale? ‚N Ritualbier vielleicht; Prinzessle!

Nichts turnt sie mehr ab als Langweile, Nichts-Tun, Stillstand.

Sie bieten uns keinerlei Sicherheit, nichts, auf was wir uns verlassen können, außer Sex, Bier und Eskalation (sorry, aber die andere Dreieinigkeit klang mir jetzt echt zu abgedroschen, so romantisiert bin ich von den Kerlen jetzt trotz allem nicht) – im Endeffekt exakt das, was wir wollen, wenn das 1022020ste Ben and Jerry’s gegessen, die 7. Staffel Game Of Thrones geguckt ist und Kai mal wieder nach zwei Minuten fertig war. Entschuldigen Sie mich, ich bin dann mal Reizwäsche werfen.

FAKT 2 : VEGAS, BABY

Musiker können (also, im besten Fall) was, das andere Kerle nicht so wirklich bis überhaupt ganz und gar nicht, null komma null drauf haben – nämlich Emotionen zeigen. Die stellen sich sogar auf ’ne Bühne, leben und fühlen das, was sie da von sich geben (also die Guten), untermalen ihre geistigen Ergüsse dann noch zunehmend wohlklingend-geil. Die verstehen uns wie noch nie ein Mann zuvor in vergleichbarer Art und Weise. Ich seufze. Tief.

Sie sind einfach anders als die Anderen, denen wir täglich jedes Wort aus der Nase ziehen dürfen und die überhaupt nicht verstehen, wieso wir von der menstruierenden Front lieber über die Zukunft oder Vergangenheit philosophieren, als vor Begeisterung auszurasten, wenn’s doch kein Abseits war.

So‘ n Künstler ist Balsam für die durch-und durch eingedeutschte Alltags-Seele. Im Kontakt mit ihm trauste dich wieder zu träumen, hast gedanklich schon die vierte Bank überfallen, lauthals „STERBT DOCH IRGENDWANN AN LANGEWEILE, ICH NEHM DIE LEBERZIROSE UND DAS HIGHLIFE, BIS IN FÜNFZIG JAHREN, IHR PENNER!“ aus deinem Fenster in die Nachbarschaft gebrüllt ,deinen Koffer und dich aus dem Selbigen hinterher geworfen und bist mit ihm nach Vegas durchgebrannt.

Das letzte, worüber man sich mit einem Mucker unterhalten muss, ist die Steuererklärung oder was der werte Herr denn gerne zu Abend essen würde. Deine Zukunftsvision von Heinz-Dieter, zwei Kindern und ’nem Dackel, die du insgeheim sowieso um alles in der Welt vermeiden wolltest, spülen sie den Gulli runter wie das Dosenbier backstage und unser Hirn kreischt unterbewusst eigentlich : HIEEEER, MEIN SCHLECHTES GEWISSEN-FAAAAANG!“ aus der Frontrow zu ihnen rauf.

Halt meistens indirekt, dies das. In Form von Songtexten, Liebesschwüren, sexuellen Anrüchigkeiten und so.

TEIL 2- der ultimative Survival-Guide für HUH-Girls, Groupie-Hoes und solche,die es werden wollen

Kennt Ihr Huh-Girls?

Für alle nicht-Involvierten, das ist die Abteilung weiblicher Fans, die auf Konzerten für 60 Prozent des herrschenden Lärmpegels verantwortlich sind – ich schwöre, ohne die würde man auf den Gigs, bei denen ich mich gelegentlich so rumtreibe, teilweise sogar die Scream-Parts verstehen ( die Teile, bei denen die immer so schrecklich schreien und bei denen die gängige Schischi-Clubbing-Louis-Gucci-Generation nur ihr matt gepuderten Näschen rümpfen wird, aber ich denke, die verirren sich sowieso nicht hier her- falls doch: ich finde Eure Musik auch scheiße.).

Sie sind süß, im Regelfall minderjährig und im Rudel anzutreffen, tragen Bandmerch wie eine Uniform, alle unsterblich in den Sänger, oder auch den Gitarristen verliebt, bissle nervig, da „HUUUUUUUUH, OOOOOH MEIN GOHOOOTT, ER HAT MICH ANGELÄCHELT, LENA!!“- „HUUUUUUH, VOLL KRASS, LAURAA, ICH HAB’S AUCH GESEHEN!! HUUUUUUH!!“, jedoch völlig ungefährlich.

An alle Huh-Mäuse- ihr seid die Besten. Die Jungs brauchen Euch wie Spongebob Patrick, ich bin auch null sauer auf Euer Gekreische. Bei Euch kommt das aus dem Herzen-macht weiter so, ohne Eure, vor Begeisterung und Erfüllung leuchtenden Äuglein, wäre Live-Musik nicht mehr das, was sie ist. ❤

Nee, nee, Freunde. Die wahre Gefahr lauert weiter hinten im Publikum, eher so am Rande des Geschehens (oder gleich backstage, die haben dann aber schon ordentlich Vorarbeit geleistet), im lokalisiertesten Sinne des Wortes. Da stehen SIE – die Sorte weiblicher Fans, denen die vorgetragene Musik prinzipiell so egal ist, dass sie wahrscheinlich nicht mal die dargebotene Stilrichtung näher klassifizieren könnten, wenn man sie danach fragt. Sie wurden in meisten Fällen von einem Bandmitglied (Klischee-unterstützend von Sänger, Shouter oder dem Gitarristen – an dieser Stelle eine liebevolle Schweigesekunde für die Drummer-Schnuffis <3) getindert, ge-instagram-dmt, ge-faceook-messegnert – weiß der Teufel. Auf jeden Fall sind sie nicht mit der Absicht auf kulturelles Vergnügen mit alkoholischem Hintergrund anwesend, sondern damit sie ihren Freundinnen oder halt nur sich selbst hinterher erzählen können, dass sie mit nem Star gefic- geschlafen haben. Der wird ihnen irgendwann langweilig und sie hüpfen zum nächsten – einmal da gewesen, biste halt drin in der Szene, wa- machen ja eh alle das Gleiche und groß anders sehen se ja auch nicht aus, die Jungens. Easy.

Das war übrigens die Märchen-Version, so wie sich die werten Herren Musiker besagtes Prozedere vorstellen, wenn sie dann mal wieder drauflos wischen, followen und liken.

In der Realität sind die Zuckerschnecken, aus denen sie sich bundesweit (je nach Bekanntheitsgrad gerne auch mal kontinental-übergreifend) ihren Harem zusammen basteln, dann im Regelfall eben leider keine gefühlskalten Schlampen, die man wie ein Spielzeug in ’ne Kiste packen (=abschießen) , wenn man keinen Bock mehr drauf hat und wieder rausholen kann, sobald man erkennt, wie viel Spaß doch mal man damit hatte(=anrufen).

Sondern Mädels, die eben wie jede andere Frau irgendwann ihr Herzchen für den schnuckligen Typen mit der Reibeisen-Stimme und den Killeraugen erwärmen, mit dem man sich um 3 Uhr morgens Sprachnachrichten hin-und herschickt, wenn einen die Nacht-Depression ereilt und er in seinem schöpferischen Geisteszustand auch kein Auge zu kriegt.

Schon mal mit Heinz-Peter besoffen im Morgengrauen auf nem Mäuerchen gehockt, die 20. Kippe Kette geraucht, kurz davor gewesen, den Sinn des Lebens zu ergründen und die Relativitätstheorie zu widerlegen? Eben…Dreckskerle.

Also, ACHTUNG – hier der einzig effektive Geheimtipp, der einen im mehr oder weniger täglichen Umgang mit einem Künstler vor der Psychiatrie-Einweisung bewahrt:

Sei wirklich ein größeres Arschloch als er selbst. Fertig.

Mach’s wie er, nur- mach‘ es besser. Sucht er sich die Nächste, spring mit seinem verhasstesten Konkurrenten in die Kiste – von dem erzählt er dir zwischen Koitus 3-4 garantiert irgendwann mal, damit er von einem hört, dass man grade aber mit ihm vög – Geschlechtsverkehr hat und er doch ’nen viel Größeren ha- viel größer auf der Stage ist. Genau.

Alternativ kann man es auch mit seinem besten Kumpel probieren, ist aber sehr unsicheres Gewässer mit möglichem Kielwasser, weil man sich, sofern das nach hinten losgeht und der Fall der einzig wahren Liebe unter Männern eintreten sollte, dezent selbst ins Knie schießt. Sobald der Main-Bro einen dann nämlich doch unerwartet von der Bettkante schubst, kann man sich definitiv den Groupie-Hoe-Stempel auf die Stirn tätowieren lassen. Zudem animiert man die besagte trällernde Fickfresse ganz unverblümt zum Fortführen des wieder einmal ach so erfolgreichen Balzverhaltensmusters und liefert ihm im besten Fall noch die Steilvorlage zu nem neuen Song, in dem er sich als den Hintergangenen darstellen und der Welt, in Dur bis Moll, rauf-und runter, vor jaulen kann, was für untreue, notgeile, HERZENBRECHENDE Miststücke FRAUEN doch sind.

Fidiralla!

Und die Moral von der Geschicht‘ ? Mit dem Rockstar bumst man besser nicht!

aaaabeeeeer… auch hier, selbst in diesem Bereich, der durch und durch zweifelsohne wahrheitsgetreuen Vorurteils-Kiste zu einer bestimmten „Kategorie“ Mann, soll es (leider, die Idioten versauen mir die ganze Argumentation UND die Pointe!) einige Exemplare geben, die glücklich vergeben, wenn nicht sogar auch irgendwann verheiratet sind und Kinder haben. Die sich auf das was Musik machen eigentlich mal war, nämlich Musik zu machen – lol, Rhetorik-Oscar hier her- konzentrieren und nicht überall eine potentielle Reviermarkierung durch Begattung von jeglicher, an ihrer Kunst interessierten Dame x-y praktizieren müssen. Ein Hammer.

Ihr gebt mir Hoffnung in einer Welt voller Tripper und abgelaufener Kondome, Jungs!

Das sind dann auch die Wunderknaben, die Lieder schreiben, bei denen man sich nicht gleich aufhängen will, sobald selbige die emotionalen Abgründe deines Unterbewusstseins triggern. Die handeln dann eher davon, wie scheiße unsere Gesellschaft, mal abgesehen von dem ganzen Herzmüll, schon so ist, unsere Politik zum Heulen und Krieg ’ne Sauerei. Das Ganze mit möglichst viel Geschrei, geilem Refrain und einer netten Melodie hübsch verpackt – BOMBASTISCH- kauf ich.

So weit, so gut. Allerdings gehören zu einer funktionierenden Beziehung ja auch laut dem Volksmund zwei, nich‘. Was uns zum nächsten Part überleitet:

TEIL 3 – DIE 10 GEBOTE OF STAYING HAPPY WITH A MUSIKER

Funktioniert nicht, bye! Spaß beiseite.. ich bin echt bissle gemein, eh. Oder traumatisiert.. wurscht.

  1. Ich bin dein Rockstar, meine Band ist auch deine Band, du sollst keine anderen Bands haben neben uns.Ich verwende hier bewusst den Plural. Ernsthaft, wenn seine Jungs dich nicht mögen oder du lieber mit der Konkurrenz dein Bier trinkst, kannst du deine Koffer schneller wieder aus dem Tourbus räumen als du hicksen kannst. Dann bist und bleibst du nämlich keine gern-gesehene Crew-Bereicherung mit Brüsten, sondern nur die blöde Nervensäge, die ihnen ein Bandmitglied ausspannt und glaub mir, seine Kollegen waren zuerst da und werden es auch immer bleiben.

    2. Du sollst den Namen seiner (=deiner) Band nicht in den Dreck ziehen

    Fällt auch (siehe oben) unter Fremd-Bier-trinken, es sei denn, ein Bandmitglied DEINER Band ist ebenfalls anwesend oder dir wurde ausdrückliche Erlaubnis dazu erteilt. Ansonsten gilt: what happens in the band, stays in the band. Alles, was nicht auf der Bühne oder von einem der Musiker selbst publik gemacht wird, geht keine Sau was an und wird nicht aufm Club-Klo kurz dem Marc-Anton von den Anderen erzählt, egal, wie cool der ist – NÖ!

    Schon gar nicht, wenn es um neue Songs geht, hjjjjjjjaaaaaahjaaajaaaa…

    3.1,.Du sollst den Probentag heiligen

    oder auch: wenn geprobt wird, Gigs sind, ein Album aufgenommen werden muss, hast du dich alleine zu beschäftigen. Mit Frauenkram und so, da siehe Gebot 1. Sofern du lange genug brav warst und dich an anschließendes Gebot 4 halten solltest, darfst du bestimmt in Kürze auch mal mitspielen und die schweißerfüllte Studio-Luft des Erfolges mit ihm teilen.

    4. Du sollst den Sound s/deiner Band und ihre Arbeit ehren

    Als nicht-vollwertiges Mitglied besitzt du kein Recht, bei deren Stilfindung oder sonstigen Prozessen der Musik-Schaffung mitzuwirken, es sei denn, du wirst ausdrücklich nach deiner Meinung gefragt. Auch im Tonstudio anwesend sein zu dürfen, ist hierfür kein Freifahrtschein und darf keinesfalls als solcher aufgefasst werden. Nein, selbst dann nicht, wenn er einen Song für dich schreibt. Fresse halten, die Geste akzeptieren und klatschen. Hallo, den hat ER für DICH geschrieben – der muss perfekt sein.

    5. Du sollst seinen kreativen Schöpfergeist nicht töten

    Gut, auch ich sehe mich etwas herausgefordert, wenn ich mir vorstelle, wie jemand nachts um 3 aus dem Bett springt, Gitarre und Schreibzeug auspackt und los-jammt, obwohl er den halben Tag apathisch, mit den selben Dingen ausgerüstet am Sofa saß und durchs Fenster geglotzt hat.Oder dich am eben mal kurz auf der A6 anruft, weil er dir JEHETZT was vorsingen muss. NEIN, NICHT SPÄTER!

    Besondere Menschen, besondere Verhaltensweisen. Könntest auch Alternative Heinz-Dieter schnarchend neben dir liegen haben, ne! …ühgütt.

    6. Du sollst nur deinen Rockstar vögeln

    Halt nur Gesetz dem Fall, dass du eben keine Groupie-Hoe bist und dir nicht den geballten Hass der Band, seiner Fans (sofern sie dich als Frau an der Seite ihres Idols je akzeptierten, ab der Stufe lässt der Heiratsantrag eh garantiert nicht mehr lange auf sich warten, Püppi) und bestenfalls auch den seiner Mutter auf dich ziehen möchtest.

    Und solltest du nach so einem Dilemma weiter in künstlerischen Gewässern verkehren wollen – die Szene vergisst nichts, mein Kind.

    7. Du sollst deinen Mucker nicht seiner Ideale und Träume berauben

    Fakt ist – in jedem Mann (und auch denk ich jeder Frau, da isses dann halt die Prinzessin und der Papi) steckt noch irgendwo der kleine Junge, für den seine Mama die größte Frau auf diesem Planeten ist und der davon träumt, Ritter zu werden oder so was. Gut, die Vorstellung von Idolen wandelt sich dann in den meisten Fällen über die Jahre bisschen ab (also ich hätt‘ gern ’nen Wikinger, gell!), das Tolle dahinter bleibt, sich für etwas begeistern zu können. Nie hab ich Augen von erwachsenen Kerlen so funkeln sehen, wie die von Musikern, die dir von einem neuen Song berichten. Mag etwas abgedroschen und schmalzig klingen, ist aber wahrscheinlich einer der Hauptgründe, wieso ich trotz allem mein Herz tausendmal lieber an einen von ihnen als an Heinz-Dieter verschwenden möchte,

    8. Du sollst nicht falsch-Rückmeldung geben über seine Werke

    Heikles Thema, siehe 4. Gebot, angekratzter Künstlerstolz ist quasi ne verbale Halb-Kastration, jedoch – fragt er dich AUSDRÜCKLICH nach deiner Meinung – sag ihm die Wahrheit. Sollte derartige Kritik deinerseits eher negativ ausfallen, stell dich auf ne zeit-lang schweigende Wand neben dir im Bett oder das heulende Elend mit Wochendepression auf der Couch ein-der wird schon wieder. Zeig ihm lieber, was er noch so alles kann, denn seit dem Punkt, wenn er wissen will, was du so von seiner Kunst denkst, bist du sowieso schon (fast) so wichtig wie diese für ihn, trust meeeeeeeee.

    9. & 10. : Du sollst nicht begehren deines Musikers Fame, Fans und alles, was sein ist

    Seine Band, seine Musik, seine Anhänger, seine Stage. Auf letzterer steht einfach er und nicht Du.

    Dir gehört schon sein Herz und jede Nacht in dein Bett zurück zu kriechen und sich nicht nach dem hartem Schaffensprozess einer Album-Produktion, im anschließenden Hypegefühl nach der Release, mit den Jungs und Groupie-Hoe 3933939 abzuschießen, verlangt ihm genug seiner Selbstkontrolle ab. Lass ihn wenigstens in seiner Musik-Welt den Superhelden spielen und mach ihm nicht unnötig ein schlechtes Gewissen. Der arme Kerl fühlt sich bestimmt schon oft genug Hans-Dieter-like neben dir, wenn er sich zum x-ten Mal am Wochenende besoffene Hass-Memos von seinen Bandkollegen anhören darf.

    Und seinen Fame hat er sich ja auch selbst verdient-grade das findeste doch besonders heiß an ihm, nä? 🙂

Ich wünschte, ich könnte Euch jetzt so ’ne richtig fancy, nie da gewesene End-Messsage mit auf den Weg geben – wird aber nichts. Müsst Ihr Euch selber angucken. Und auch wenn ich mich jetzt so über sie ausgekotzt habe – ich liebe Euch trotzdem, liebe Mucker dieser Erde. Niemand kann einem so viel Bock aufs Leben mitgeben wie Ihr.

Einfach weil Ihr was besonderes seid, in einer gefühlskalten Gesellschaft rumspinnt, Euch die Rentenversicherung einen Scheißdreck juckt…und Ihr uns so was wunderbar zeitloses wie die Musik schenkt. Man kann die geilsten Momente nicht in ein Marmeladenglas packen – face it – aber Ihr packt sie in Songs für uns.

So, Schluss mit der Gefühlsduselei, mein Spiegelbild im Laptop-Display erinnert mich momentan stark an einen paarungsbereiten Breitmaulfrosch und das macht mir Angst.

In diesem Sinne – schmeißt euch in die Netzstrumpfhose, Titten raus, die 10 Gebote auf ’nen Spicker in die Hotpants-Arschtasche und reißt Euch nen Rockstar auf, Mädels – aber googled ihn vorher besser, am Ende kennt den dann doch niemand … 😉

KEEP ON ROLLIN‘, BÄIBÄÄ!

Fortsetzung folgt in Kürze. B-)

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Warum man als Magersüchtige kein Model sein will und ich dem Chefredakteur einer Tageszeitung auf den Schreibtisch kotzen möchte

Samstag, 9 Uhr, nur noch 20 Grad draußen, windig. Ich, meines Zeichens überzeugte Sommer-Hasserin und halbwegs gut drauf, rolle an den familiären Frühstückstisch und komme beim Kalorien-Einfahren meinem neuen Halbjahres-Vorsatz nach, der da wäre täglich Zeitung lesen. Bin überzeugt davon, dass mich Allgemeinbildung irgendwann mal reich macht…vielleicht…egal, ich war beim Zeitung aufschlagen, richtig. Beziehungsweise- falsch. Zumindest heute.

Beim ersten Durchblättern entdecke ich einen Artikel, der durch das riesige Bild hohlwangiger Models auf einem Laufsteg wohl vor allem die Damenwelt zum Lesen anlocken soll- „UUUUH, dürre Frauen, UUUUH, Schocker, UUUH, da rutscht das Nutella noch besser“-mir ist schon bei der Überschrift schlecht.

„MIT NEUEN GESETZEN GEGEN MAGERE MODELS“

Oha. Kurzfassung wie folgt: Frankreich fordert von seinen hiesigen Mannequins ab sofort medizinische Bescheinigungen, dass sie nicht kurz vor dem Abnippeln stehen ( so grausam das klingt, aber Anorexie zählt leider zu einer der wenigen, ist aber ca. eine der „sichersten“, psychischen Krankheiten, mit denen man sich selber früher oder später safe unter die Erde befördert-ohne Essen geht’s halt leider doch nicht so lang), um die durch die Modeindustrie induzierte Propaganda für die „Mode-Erkrankung“ Essstörung A-Z einzudämmen.

Selbes gilt für ein neues Retouche-Verbot, welches untersagen soll, Models auf Werbeplakaten noch dünner darzustellen, als sie eigentlich schon sind. Wow. Böse, böse Fotografen. Ich höre schon beinahe die Mäuse in meinem inneren Ohr klicken, wie nach Lesen dieser Zeilen auf Pi mal Daumen 2932933939393 Rechnern Photoshop deinstalliert wird. Ahahahaa.

Ich sag’s kurz: been there, down that, wie es auf Neudeutsch so hübsch anglizistisch angehaucht lautet- mit meinen 38 Kilo war ich in etwa so weit von ’nem Victoria’s Secret Engel oder Laufsteg XY entfernt wie das nächste Klo, wenn man dann mal Durchfall bekommt (ok, scheiß Vergleich, aber Ihr wisst, was ich meine). Das einzige Casting, das ich für mich entschieden hätte, wäre für „Walking Dead“ gewesen, passender Blutdruck inklusive. In die Stöffchen hätte ich allerdings gepasst, relativ viel Haare waren auch noch auf meinem Kopf, gradeaus laufen konnte ich- mit 30 Kilo Schminke als sozialtauglich vorzeigbar, nü, liebe Society- every Klischee bedient, wa!

Nur wisst Ihr, was das Lustige dran ist?

Ich hätte mich eher in unseren Kompost geworfen, als mich in diesem Geistes- und körperlichen, so weit ich den damals überhaupt realisieren konnte, Körperschemastörungen sind was ganz feines, Zustand vor irgendjemanden zu präsentieren, geschweige denn FOTOGRAFIEREN zu lassen. Du isst ja nicht nichts, weil das Leben dir so viel Spaß macht und du nix besseres zu tun findest- eher weil du dir so wenig wert bist und das Leben dich so abfuckt, dass du dir nicht mal mehr eine Mahlzeit in deinem Bauch erlauben kannst.

Klar, das mit dem gängigen Schönheitsideal aka Kleidergröße 34/36 hat schon was damit zu tun, viele rutschen über so ne Diät rein, die ich damals in Klinik A-Z kennenlernen durfte. Nur wisst Ihr, was das verschissene Problem ist? Gesunde Menschen HÖREN AUF, wenn sie in diese Größe passen. Als Magersüchtige ist dir, nett ausgedrückt, scheißegal, welche Kleidergröße du grade trägst. Du bist immer noch nichts wert. Eventuell ein bisschen mehr, wenn die Waage weniger als gestern zeigt, stimmt. Das‘ ma schön. Hält aber nur bis zum nächsten Außenkontakt, Blick in den Spiegel, Konfrontation mit der Welt. Und das Letzte, was man will, ist von irgendjemanden angeguckt zu werden, bewundert zu werden, sich zu zeigen, eine Frau zu sein, sexy zu sein, Männer anzuziehen. Du willst überhaupt nichts mehr.

Model ist ein Beruf, eine Essstörung ist dein Leben, Disziplin und krankhafte Sucht zwei Paar völlig verschiedene Stiefel.

Diese Frauen, Paradebeispiel Victorias Geheimnis, strahlen unfassbare Power aus. Die leben. Haben Brüste und nen Arsch, wenn auch in Miniaturausgabe, ist aber definitiv vorhanden. Bei 200 Kalorien am Tag ist das einzige, was an einem hervor sticht die Rippen und die eigene Wirbelsäule. Man sieht unfassbar tot aus im Gesicht. Erkennt man übrigens auch blendend an den Beinen, ob jemand sein Gewicht erzwingt, oder eben einfach so genetisch gepolt ist.

Mit diesem Hintergrund kommt mir so langsam nur noch die Galle hoch, wenn ich von Agenturen lese, die Mädchen in die Essstörung treiben. Es liegt einfach nicht mehr in unserem Gedankengut, dieses drecks Pauschalisieren zu stoppen, das is‘ dat Ding.

Model=essgestört, schlau=langweilig, anders=komisch, xy-Anzahl-Instagram-Follower=cool/uncool-ich könnte bis zum Sankt Nimmerleins-Tag weiter machen.

Wir sind ein voreingenommener Makrelenstrom geworden. Sein eigenes Hirn benutzen war noch nie so anstrengend. Hinterfragen und ohne Beleidigungen diskutieren-undenkbar. Presse und Medien tragen, sofern überhaupt noch jemand seine Nase hinters Printmedium bewegen will, mit ihren dermaßen weichgespülten und realitätsfernen Reportagen und Artikeln supiklasse-fantastisch dazu bei.

Ganz heftig kleines Mini-Kino, Herr Chefredakteur-Lokalkäseblatt.

Ich glaub, ich les‘ jetzt ’n Märchenbuch, die sozialen Strukturen da drin gefallen mir irgendwie besser. 

 

 

 

 

’n Abend!

OMG, jetz‘ hat die auch noch nen Blog- ja, das hat sie. Jedoch-sogar mit Grund, ähä!

Gesetz dem Fall, dass meine geistigen Ergüsse- und Flüsse überhaupt jemanden interessieren, sehe ich das ganze (das schreibt man ernsthaft klein, is ’n Adjektiv. Wie falsch sieht das aus?!) hier eher mehr als kleines, aber feines virtuelles Tagebuch. Vielleicht, für den einen oder anderen unter Euch, als willkommene Ablenkung in einer Welt von Beauty-Fashion-am-liebsten-rede-ich-über-meine-Schuhe-und-Taschen-Schischi-Blogs, die es sich unbewusst, aber unfassbar präzise zur Aufgabe gemacht haben, einer Generation Werte und Lebensziele vorzugaukeln, bei denen ich kotzen möchte. Häufig. Im Strahl. In Oktagon-Form.

Edit: ich häng‘ in der Scheiße auch voll mit drin by the way, so is‘ dat nich‘, ne!

Instagram hier, Facebook da, irgendwo hängt YouTube rum, sämtliche mentale Abgefucktheiten on top- aber ich denke und reflektiere auch ganz gern mal selbstständig über das und dies und dies und jenes. Und das ist das Besagte, worum’s mir hier geht, gehen soll, gehen wird.

Da ich hier höchstwahrscheinlich nur meine Meinung artgerecht ins Netz blasen kann- feel free to comment and share und so n anglizistisches Zeug der Anteilnahme, ne, wenn Ihr Euch angesprochen von irgendeinem meiner Themen fühlen solltet, gell. Fänd‘ ich sogar relativ geil. 🙂

In diesem Sinne, folgt mir nicht auf Instagram und lasst kein Abo da.

Schaltet einfach Eure eigenen Meinungen, Ansichten, das Mitfühl-sowie Mitdenkvermögen ein und wir lasst Euch von mir zuschwallen.image1(15).JPG

Adele derweil!